Rundgang durch Krautheim

Die Burg Krautheim

Sankt Marienkirche

 

Ein kleiner Überblick aus 900 Jahren Krautheimer Geschichte

(von Eugen Sternad )

Die frühesten Daten einer Besiedlung unseres Raumes stammen aus merowingischer Zeit (6. u. 7. Jahrhundert nach Christi).

Beim Bahnbau im Jahre 1900 wurden im Tal 10 – 12 Gräber aus dem 7. Jahrhundert entdeckt. Vier weitere wurden fachmännisch ergraben.

Das wichtigste und größte Gräberfeld wurde aber im Stadtteil Klepsau entdeckt und in vier Grabungskampagnen zwischen 1965 – 1967 ausgegraben. Es enthielt insgesamt 66 Gräber, die man in der Mitte des 6. Jahrhunderts bis zum Ende des 7. Jahrhunderts datieren konnte. Die Gräber enthielten sehr reiche und qualitativ wertvolle Grabbeilagen, die sich heute im archäologischen Landesmuseum in Karlsruhe befinden.

Die nächsten geschichtlichen Zeugnisse erhielt man erst wieder mit dem Einsetzen schriftlicher Quellen. Im Jahre 1096 wurde Krautheim erstmals in einer Urkunde genannt.

Mit Wolfrad (urkundlich von 1192 –1213 erwähnt), beginnt die sichere Familienfolge des Krautheimer Ortsadels. Er verlegte den Herrschaftssitz, der sich ursprünglich in Altkrautheim befand, auf den gegenüberliegenden Bergsporn und begann mit dem Bau der Burg.

1329 wird erstmals die „stad“ Krautheim ursprünglich erwähnt. In diesem Jahr wird ein Teil von Stadt und Burg Krautheim an das Erzstift Mainz verpfändet, das sie 1365 endgültig käuflich erwirbt. Die andere Hälfte von Stadt und Burg Krautheim erwarb das Hochstift Würzburg im Jahre 1346 und als der Würzburger Bischof 1399 im Städtekrieg Mainz um Hilfe bitten musste, tritt er als Gegenleistung seinen Besitz in Krautheim ab. Ab diesem Zeitpunkt stand Krautheim ganz unter Mainzer Herrschaft.

Im Jahre 1516 fand die Fehde zwischen dem Mainzer Amtmann Max Stump und Ritter Götz von Berlichingen statt. Hier kam es zum Ausspruch des Schwäbischen Grußes. Ein Gedenkstein am Tatort erinnert noch heute daran.

Im Bauernkrieg von 1525 befanden sich die Krautheimer Bauern an der Seite des Odenwälder Haufens, der für kurze Zeit Götz von Berlichingen zu seinem Hauptmann bestimmt. Nach dem Niederwerfen des Aufstandes in der blutigen Schlacht bei Königshofen, erlitt auch die Stadt Krautheim erhebliche Einschränkungen ihrer Freiheit. Das Stadtrecht wurde durch die 1528 vom Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg erlassene Stadtordnung ersetzt. An der Spitze der Verwaltung stand nun ein vom Churfürsten von Mainz eingesetzter Amtmann, sein Stellvertreter war der „Keller“. Zwölf Rats– und Gerichtsmitglieder wurden von ehrbaren Krautheimer Bürgern gestellt, an deren Spitze ein von Amtmann eingesetzter Schultheiß stand.

Der von 1399 – 1803 bestehende Sitz der Mainzer Verwaltung zeigt sich heute noch im Stadtbild durch verschiedene ehemalige Amtsgebäude. Der Amtsbezirk, für den Krautheim auch geographischer Mittelbezirk war, bestand aus 20 –25 Dörfern und Höfen und blieb im wesentlichen bis zum Ende des alten Reiches. Um 1800, als das Mainzer Gebiet in neun Oberämter aufgeteilt war, erreichte das Oberamt Karlsruhe seine größte Ausdehnung. Es bestand aus den Amtsvogteien Krautheim, Ballenberg, Neudenau und Nagelsberg.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts büßte Krautheim als Amtssitz wesentlich an Bedeutung ein. Der erste entscheidende Schritt war die Neuordnung Deutschlands nach dem Ende der napoleonischen Kriege.

Das Oberamt Krautheim gelangte 1802 in den Besitz des Altgrafen Salm-Reifferscheid-Bedburg und wurde 1804 Fürstentum. In der Rheinbundakte von 1806 wurde dann das südliche Gebiet dieses Fürstentums dem Königreich Württemberg zugesprochen, während der nördliche Teil an das Großherzogtum Baden gelangt. Die Jagst wurde zum Grenzfluss der neu entstandenen Länder. Das nun badische Krautheim verlor dadurch einen Teil seines früheren Verwaltungsgebietes und geriet in eine Randlage.

Erst mit der Verwaltungsreform von 1973 wurde die Jagst als Verwaltungsgrenze wieder aufgehoben. Krautheim, das seither zum neu geschaffenen Hohenlohekreis gehört, erhielt mit seinen neun Stadtteilen Ortschaften zurück, die schon während der Mainzer Verwaltung zum Amt Krautheim gehört hatten. Krautheim zählt heute mit seinen Stadtteilen rund 4700 Einwohner und ist zentraler Mittelpunkt im mittleren Jagsttal.